Muliritt 2002 im Engadin

Freitag, 5.Juli 2002 bis Sonntag, 7.Juli 2002

Unsere Mulis Katja und Fantasia sind den ganzen Morgen auf der Weide und stopfen sich die Bäuche voll. Man weiss ja nie, wenn man das nächste mal fressen kann. Um ca. 12.30 Uhr werden die Tiere gestriegelt, alles zusammengepackt und die Tiere verladen. Diesmal geht die  Reise ins Bündnerland nach Samedan zum Muli - Toni, der den diesjährigen Muli-Ritt organisiert hat. Unsere zwei Maultiere sind sich an den Pferdetransporter gewöhnt und auch sie sind gespannt, wohin sie die Fahrt heute führt. Die Reise geht über den Ricken nach Bilten zu Bea und Hans Müller. Sie haben ihre Maultiere Valentin und Flicka schon verladen. Ueli und Ruth Weber treffen ebenfalls bei Müllers ein. Gut gibt es Handys. Guido telefoniert Hubi Frick und es wird abgemacht, dass man sich auf dem Autobahnrastplatz nach Landquart trifft um als Konvoi ins Bündnerland zu fahren. Nach dem Kaffeehalt auf dem Rastplatz fahren wir los, den Hubi und Bella sind ebenfalls eingetroffen. In Savognin muss Guido tanken, während die andern weiter fahren. Bei der Weiterfahrt, sehen wir einen weiteren Pferdeanhänger vor uns mit einem grossen und einem kleinen Muli.

Beim Näherkommen erkennen wir eine Berner Nummer. Da war uns klar, dass es sich um Peter Zwahlen mit Senta und Monika Horath mit Bidana handelt.  In Bivio gibt es einen Kaffeehalt. Ein grosses Hallo und die ersten lustigen Geschichten werden im Restaurant Guidon erzählt. Bea nimmt per Handy Kontakt mit Fritz Augsburger auf, so erfährt sie, dass Fritz und Romy mit den Mulis Beat und Pamino in ca. einer halben Stunde in Bivio eintreffen werden.

Als Konvoi von sechs Fahrzeugen mit Anhänger überqueren wir den Julier. In Samedan werden wir schon erwartet. Josefine und ihr Freund Harald, Kathrin, Eduard, Esti und Muli-Toni machen unsere Runde vollzählig. 17 Maultiere aus dem Wallis, Berner Oberland, Emmental, Glarnerland, Toggenburg und Bündnerland haben sich hier mit ihren Chefs zusammengefunden.

Vom Vollblutmuli über den Fijordmuli und Trakenermuli bis zu den Freibergermaultieren und der Mauleseldame Bella sind alle vertreten. Die Tiere werden ausgeladen, etwas herumgeführt, anschliessend eingestallt und gefüttert. Mario Raisigl, der Besitzer dieser schönen Anlage, lädt uns zu einem Apero ein. Etwas müde fahren wir nach Bever in die Pension Korsonek. Alle freuen sich auf eine Dusche. Wir verstauen unser Gepäck und inspizieren die Zimmer. Nachtessen ist um 20.30 Uhr angesagt. Wir werden gut verpflegt mit Suppe, Salat, Hauptgang und Dessert. Es werden viele Geschichten erzählt, gelacht und geplaudert. Um 23.00 Uhr sind alle müde. Hubi wohnt nicht bei uns. Er übernachtet in seinem Bus bei den Tieren. In seinem Auto hat er ein Bett, eine Küche, Bar ect.. Er füttert uns am nächsten Morgen die Tiere, so können wir also eine halbe Stunde länger schlafen. Danke Hubi. Es gibt ziemlich schnell Ruhe, und alle freuen sich auf den nächsten Tag. 

Am anderen Morgen ist um 5.30 Tagwache und Morgenessen. Alles gerichtet, die Packtaschen gepackt gehts los zum Stall. Wir beginnen gleich mit dem Striegeln und Reinigen der Tiere. Dann werden die Maultiere gesattelt und bepackt. Jeder hat seine eigene Packart und sein eigenes individuelles Outfit, so sind die Tiere und die ganze Gruppe interessant zu beobachten. Tier und Führer bilden stehts eine Einheit. Das Wetter ist sehr veränderlich, so haben wir die Regenjacke und Regenhose zuoberst im Gepäck. Bei noch trockenem Wetter reiten wir los Richtung Pontresina.

Kurz vor Pontresina beginnt es in Strömen zu Regen. Da kommt ein Kaffeehalt sehr gelegen. Neben unserer Reihe von angebunden Maultieren, stehen auch die Tiere der Pferdekutsche, die den Personentransport nach Roseg vornehmen. Nach dem Kaffeehalt nehmen wir den Weg durchs Rosegtal nach Roseg unter die Hufe. Monica zieht es vor, sich in der trockenen Pferdekutsche durchs Rosegtal chauffieren zu lassen. Peter Zwahlen nimmt Bidana deshalb als Handmuli mit. Von Roseg aus wollen wir den steilen Anstieg auf den Fuorcla Surlej auf 2755  m.ü.M.  in Angriff nehmen. Telefonisch melden wir uns in der H|tte an und bekommen auch die Bestätigung, Wetter momentan noch gut. Steil führt uns der schmale Weg schnell in die Höhe. Trittsicher suchen sich die Tiere ihren Weg durch die schmalen Pfade. Mit der Ankunft bei der Hütte, ändert sich das Wetter schlagartig. Der Wind pfeift uns um die Ohren, Regen und sogar Schneeflocken peitschten uns ins Gesicht. Die Tiere werden draussen angebunden. Ihnen kann das Wetter nichts anhaben, sie dösen vor sich hin. Auf uns wartet in der Hütte eine warme Suppe und Glühwein. Nach dem Aufstieg von über 1000m folgt jetzt der Abstieg.

Beim Abstieg laufen wir und führen das Maultier. Der Weg über Gervllhalden ist furchterregend. Wenn eine schwierige Passage kommt, lässt man das Muli den Weg selber suchen. Schaut man zurück auf das begangene Gelände, kann im Gervll nirgends einen Weg ausgemacht werden. Hoch über dem Silvaplanersee führt der Weg Richtung St. Moritz nach Samedan. Zwischen 55 und 60 Leistungskilometer legen wir in 11 Stunden zurück. Zu unserer grossen Überraschung laufen die Maultiere auch die letzten Kilometer genau so frisch wie beim Start am Morgen.

Im Stall angekommen werden die Tiere versorgt. Eine Beindusche ist sehr gut für die strapazierten Gelenke und die Tiere geniessen es offensichtlich. Beim gemeinsamen Nachtessen merkt man allen Teilenehmern die Müdigkeit an. 11 Stunden unterwegs, davon etwa 6 Stunden im Sattel und immer konzentriert, dies merkt man erst am Abend, wenn man sich ausruht. 

Am Sonntag ist wieder früh Tagwache, und alle treffen sich zum Morgenessen. Fritz erzählt von seinem Albtraum. Der gestrige Abstieg hat bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Er träumte von rutschenden und abstürzenden Mulis. Keine Angst Fritz, das alles war nur ein Traum. Nach dem Frühstück ist Muskellockern angesagt. So reiten wir nochmals gemütlich auf die Alp Muntatsch oberhalb Samdean. Hier lassen wir es und bei Kaffee und Kuchen gut gehen. Nach dem Ritt zurück zu den Anhängern, konnten wir noch Grilliertes bei Mario Raisigl geniessen.

Wieder verladen und alles eingepackt, fahren am Nachmittag die Teilnehmer, mit der Erinnerung an drei wunderschöne Tage im Gepäck, in alle Himmelsrichtungen nach Hause.

 

Sonja und Guido Züger

Oberhelfenschwil